EIN MUSEUM IN ZWEI GEFÄNGNISSEN
"Anderen zur Abschreckung und Warnung" - Ausstellung in Gävleborgs ehemaliger Provinz- und Schloßhaft anno 1732
Das Gefängnismuseum in der Schloßhaft ist in den ursprünglichen Kellerarresten des Gebäudes untergebracht. Hier erlebt man Schweden in einer Zeit, in der die Strafen meistens öffentlich vollzogen wurden. Sie sollten vor allem eine abschreckende Wirkung haben. Übliche Strafformen waren körperliche Züchtigung und Schandstrafe. Außerdem sollte der Verurteilte entehrt werden. Je schwerer das Verbrechen, desto härter und schwerer die Pein.
Die Todesstrafe wurde oft durch verschiedene entehrende Strafen verschärft. Dies geschah z.B. durch das Abhauen der rechten Hand vor der Hinrichtung und anschließend durch Zerstücken und Radbrechen. Dabei wurden die Körperglieder zerbrochen, in ein Rad eingeflochten und öffentlich zur Schau gestellt.
Eine mildere Strafe war das Reiten des hölzernen Pferdes. Es war auf dem Marktplatz aufgestellt, und der Verurteilte musste öffentlich vor aller Augen einige Stunden auf ihm sitzen, die Hände auf den Rücken gebunden. Um die Pein zu verstärken, konnten noch Gewichte an die Füße gehängt werden. (Modelle im Maßstab 1:10)
Eine andere Strafe, die hauptsächlich in den Regimentsstädten vorkam, war die sogenannte spanische Geige. Dieses Urteil traf Frauen, Dienstleute und Kinder der Soldaten, die sich schlecht geführt hatten.
Neben verschiedenen Strafszenarien, Folter- und Hinrichtungswerkzeugen sowie Fesseln verschiedener Art, begegnen wir hier Verbrechern aus der Vergangenheit. Betreten wir nun die Arrestzellen und versuchen wir uns vorzustellen, wie es gewesen sein kann, hier eingesperrt zu sein. Es scheint, wir hörten die Fliegen summen, fühlten die Flöhe beißen und spürten den Gestank von der Latrine sowie von allen, die hier sitzen ...
In der Schloßhaft sind die zwei ursprünglichen unterirdischen Gefängnishöhlen erhalten. Hier brachte man diejenigen unter, die sich weigerten, ihre Verbrechen zugestehen, sowie verurteilte Verbrecher, die ihre Bußen nicht bezahlen konnten und stattdessen ihre Strafe im Gefängnis auf "Wasser und Brot" verbüßen mussten. Blicken wir in eine der Höhlen hinunter! Da sitzt Erik Andersson von Hedesunda, zu 12 Tagen und 12 Nächten Kerker verurteilt.

Wegen geringerer Vergehen verurteilte Arbeitslose und Herumtreiber wurden in Arbeitshäuser, sogenannte Spinn- oder Raspelhäuser eingesperrt. Frauen kamen für schwerere Verbrechen ins Zuchthaus, während Männer Festungshaft für einige Jahre bis auf Lebenszeit erhielten. Einer unserer Gefangenen in der Schloßhaft, Henrik Gersson Gertz, alias Giesling, wird zur Carlstens Festung in Marstrand an der schwedischen Westküste gesandt.

Wenn wir jetzt die Schloßhaft verlassen, kommen wir für einen Augenblick in die Freiheit. Vielleicht gelingt es uns, das Unbehagen abzuschütteln, bevor wir ins nächste Gefängnis eintreten. Vergessen Sie dabei bitte unsere Hauptbotschaft nicht, die lautet:
Diese Geschichte ist nicht nur die unsere, und auch nicht nur Geschichte!
"Hotell Hamilton" - Ausstellung in Gävleborgs ehemaligem Provinz-gefängnis anno 1847
Das Provinzgefängnis zu Gävle (1847-1986) trug im Volksmund den Namen "Hotel Hamilton" nach Hugo Hamilton, Landeshauptmann (landshövding) in Gävleborgs län 1900-1918. Die Straße in der das Gefängnis liegt ist nach ihm benannt.
Als das Einzelhaftsystem in den 1840er Jahren Einzug hielt, wurden die öffentlich vollzogenen Schand- und Körperstrafen allmählich abgeschafft und durch Gefängnis bzw. Strafarbeit ersetzt.
Statt den Verbrecher in der Öffentlichkeit büßen zu lassen, ging man nun dazu über, ihn von der Gesellschaft zu isolieren. Die finsteren und elenden Gefangenenhöhlen wurden durch architektonische Meisterwerke ersetzt, die die Ideen des neuen Gefängnissystems wiederspiegelten. Die Leitworte waren: Überwachung, Kontrolle und Disziplin.
Das Einzelhaftsystem wird nach dem Gefängnismodell, das die Quäker 1828 in Philadelphia einführten, Philadelphiasystem genannt. Dabei ging man vom Gemeinschaftsgefängnis zum Zellengefängnis über.
Dabei ging es nicht mehr nur darum, den Verbrecher zu bestrafen. Er sollte auch erzogen und auf den Weg eines anständigen und moralischen Lebens zurückgebracht werden. Der Weg dahin ging über die Isolierung des Gefangenen in Einzelhaft. Im Gefängnis sollte totale Stille herrschen, die nebst Arbeit und Lesen religiöser, erbaulicher Literatur die moralische Besserung des Verurteilten fördern sollte.

Das Museum ist im 2. Stock in zehn Zellen des Gefängnisses untergebracht. Wir wandern in der Ausstellung von der Vergangenheit gegen unsere Zeit. Einige Zellen sind ausgewählten Themen gewidmet. In anderen, wie hier in den Zellen 35, 38 und 40, begegnen wir Gefangenen aus den Jahren 1850, 1900 und 1986 – das Jahr, in dem das Gefängnis geschlossen wurde.
In der Zelle Nr. 40 sitzt "Stickan", der seine Strafe eigentlich in der Anstalt Bomhus zu Gävle verbüßen sollte. Wegen Überbelegung muss er hier seine Strafe absitzen. Respektieren Sie ihn als Mitmenschen und vergessen Sie nicht, an die Tür zu klopfen, ehe Sie eintreten!
Die Zelle 41 ist ein Kuriositätenkabinett – "eine Galerie von Fluchtmöglichkeiten". Hier gibt es beschlaggenahmte Fluchtwerkzeuge, Spritzen, Kanülen und vieles mehr zu sehen.

"Du sollst nicht töten" ist das Thema der Zelle 43. Am 17. März 1893 wurde Per Johan Pettersson aus Alfta innerhalb der Mauern des Gefängnisses hingerichtet. Er war der letzte der in Gävle bzw. ganz Nordschweden hingerichtet wurde.
Deutsche Übersetzung: Carin Blomkvist |